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Geschichte

Die Entstehung der niedersächsischen Gedenkstättenlandschaft spiegelt die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen deutscher Erinnerungsarbeit. Mit einem Holzkreuz und dem jüdischen Gedenkstein auf dem Gelände des ehemaligen Lagers Bergen-Belsen wurden die ersten Mahnmale von überlebenden Häftlingen gesetzt, eine Ausgestaltung zur Gedenkstätte erfolgte ab 1947 auf Weisung der britischen Militärregierung. Forschungen zur Geschichte des Konzentrationslagers wurden erst unter dem Eindruck der – im Ausland aufmerksam verfolgten - antisemitischen Schmierwelle am Ende des Jahres 1959 begonnen. Zu einem Ausbau der Gedenkstätte mit den heutigen Möglichkeiten wissenschaftlicher Arbeit und pädagogischer Betreuung kam es erst Ende der achtziger Jahre.

Inzwischen hatten sich die erinnerungspolitischen Vorzeichen in Deutschland grundsätzlich geändert: Eine jüngere und kritische Generation fragte sehr konkret nach der Geschichte des Nationalsozialismus "vor Ort"; unter dem Einfluss der "neuen Geschichtsbewegung" entstanden eine große Anzahl von Geschichtswerkstätten und Initiativen, die eine Erinnerung an deportierte jüdische Mitbürger, an Arisierungsgewinnler oder die Ausbeutung von Zwangsarbeitern in heimischen Betrieben oft gegen starke lokale Widerstände durchsetzen mussten. Aus diesen regionalen Ansätzen bildeten sich, um nur die größeren zu nennen, die Gedenkstätten in Moringen, Salzgitter-Drütte, Sandbostel und Papenburg.

Diese sind heute feste Bestandteile der niedersächsischen Gedenkstättenlandschaft. Die Erinnerungsarbeit von Initiativen und Gedenkstätten in privater Trägerschaft sowie regionalgeschichtliche Forschungs- und Publikationsvorhaben zur nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden nach einem einstimmigen Beschluss des Niedersächsischen Landtags seit dem Jahre 1990 regelmäßig aus Landesmitteln gefördert. Diese Aufgabe ging nach ihrer Gründung im Jahre 2004 auf die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten über. Zugleich wurde sie Träger der Gedenkstätte Bergen-Belsen und der Gedenkstätte für die Opfer nationalsozialistischer Justiz in der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel.

Zusammenstellung: Michael Pechel, Niedersächsischer Bildungsserver NiBiS. E-Mail: pechel@nils.nibis.de

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