Verleger, geboren am 22. November 1950 in Göttingen
Mit 17 legt Gerhard Steidl das Abitur ab und gründet kurz darauf, 1968, seinen eigenen Verlag. Er richtet in Göttingen eine Siebdruckwerkstatt für Druckgrafik und Plakate ein. 1970 Beginn der Zusammenarbeit mit Klaus Staeck.
Meine "Lehrzeit" habe ich mit Joseph Beuys verbracht, sagt Gerhard Steidl über die Anfänge seiner Druckerei und seines Verlags. Von 1972 bis zu seinem Tod habe ich einen großen Teil seines seriellen Werks (Druckgrafik, Multiples) hergestellt. Von ihm habe ich gelernt, auch unscheinbare Materialien zu beachten, mit handwerklicher Perfektion daraus Kunstwerke zu fertigen. Der Reiz, mit unkonventionellen Materialien und Techniken zu arbeiten, um daraus Gegenstände abseits des Massenkonsums zu schaffen, ist bis heute geblieben.
1972 erschien das erste Buch im Steidl Verlag: "Befragung der documenta". 1974 wird Gerhard Steidl als Siebdruckmeister in die Handwerksrolle eingetragen. Die ersten politischen Sachbücher erscheinen. Anfang der achtziger Jahre folgen Literatur, Kunst- und Fotografiebände, seit 1989 gibt es ein Taschenbuchprogramm. 1986 erscheint das erste Buch von Günter Grass im Steidl Verlag ("In Kupfer, auf Stein"), und seit 1993 hält Steidl die Weltrechte am Werk des Nobelpreisträgers. 1993 beginnt auch die Zusammenarbeit mit Karl Lagerfeld, die im Jahr 2000 zur Gründung des Imprint-Verlags Edition 7L führt.
1996 hat Steidl sich entschieden, sein Gespür und seine Leidenschaft für Fotografie in einem eigenen Fotobuchprogramm umzusetzen – mit internationaler Zielrichtung. Der Verlag hält die Weltrechte an den Büchern und vertreibt sie in mehr als 40 Ländern. Inzwischen veröffentlicht Steidl das größte Buchprogramm zeitgenössischer Fotografie, Imprints wie Karl Lagerfelds Edition 7L, Steidl/Mack, Steidl/Magnum oder Steidl/International Center of Photography New York sind Ausdruck der Vielfältigkeit und Individualität des Programms. Die Bücher werden in großen Auflagen produziert, dennoch wird bei Steidl mit dem Anspruch einer Manufaktur gearbeitet. Jedes einzelne Buch ist Maßarbeit. Lektorat, Typographie, Bildbearbeitung, Gestaltung, Druckerei, Marketing, Presse, Vertrieb – im Steidl Verlag finden diese Arbeitsprozesse "unter einem Dach" statt.
Für Gerhard Steidl ist das Buch selbst ein Kunstobjekt, er versteht sich als Diener und Verbündeter der Künstlerinnen und Künstler. Inzwischen ist diese Haltung, dieses unbedingte Beharren auf Qualität, legendär: Künstler wie Lewis Baltz, Susan Meiselas, Jim Dine, Roni Horn, Robert Frank, Laurie Anderson, Lou Reed, Robert Polidori, David Bailey und Joel Sternfeld reisen nach Göttingen, um ihre Buchideen in "Steidlville" Wirklichkeit werden zu lassen.
Der Steidl Verlag gehört zu einer fast ausgestorbenen Art: Konzernunabhängig und immer noch im Besitz, geleitet und geprägt von Gerhard Steidl selbst.