Niedersächsischer Ministerpräsident a. D.
geb. am 29. Juni 1930 in Heidelberg
Ernst Albrecht wurde am 29. Juni 1930 in Heidelberg als Sohn eines Arztes geboren.
Nach der Schulausbildung in Bremen, Verden und Brake studierte Albrecht Philosophie und Theologie in Tübingen, Cornell (USA) und Basel (bei Karl Jaspers). 1950 erwarb er den B.A.-Grad. Dann wechselte er zur Rechts- und Wirtschaftswissenschaft. Das zweite Studium (fünf Semester in Tübingen und Bonn) schloss er 1953 als Diplomvolkswirt ab. 1959 folgte die Promotion.
1954 bis 1956 arbeitete Albrecht als Attaché beim Ministerrat der Montanunion, anschließend leitete er bis 1958 die Sektion "Gemeinsamer Markt" bei der Brüssler Regierungskonferenz zur Ausarbeitung der Verträge von Rom. Von 1958 bis 1967 war er Kabinettschef von Hans von der Groeben bei der EWG-Kommission, 1967 bis 1970 arbeitete er als Generaldirektor für Wettbewerb bei der EWG-Kommission in Brüssel. 1971 wurde er als Finanzdirektor Mitglied der Geschäftsführung der Firma Bahlsen Keksfabrik in Hannover (bis 1976).
Albrecht, seit 1970 Mitglied des Niedersächsischen Landtages, wurde 1976 als Oppositionskandidat mit den Stimmen aus der sozialliberalen Regierungskoalition zum Niedersächsischen Ministerpräsidenten gewählt. Damit war Albrecht, der bis 1990 im Amt blieb, Niedersachsens erster CDU-Ministerpräsident. Als geschickter Taktiker erwies sich Albrecht in der Diskussion zwischen der Bundesregierung und der niedersächsischen Landesregierung um den Standort eines atomaren Entsorgungszentrums (Gorleben). 1980 verlor er gegen Franz Josef Strauß (CSU)den unionsinternen Wettbewerb um die Kanzlerkandidatur.
Albrecht gehörte zu den treibenden Kräften für die Einführung des Privaten Rundfunks in der Bundesrepublik. 1983 erreichte er die Zulassung privater Sender im Fernsehbereich. Bis 1990 schaffte er es, die Nettoneuverschuldung Niedersachsens erheblich zu reduzieren, ebenso die Zahl der Arbeitslosen – trotz sehr vieler Aus- und Übersiedler – und erreichte, dass Niedersachsen beim Wachstum des Sozialprodukts auf einen stabilen zweiten Platz in der Länderwertung kam. Albrecht trat konsequent für die Wiedervereinigung ein. Er rief 22 wirtschaftliche Forschungsinstitute ins Leben und ebnete so auch ausländischen Investoren den Weg nach Niedersachsen. Zudem lag ihm die Entwicklung des ländlichen Raums am Herzen. Niedersachsen sollte nicht aus Städten, sondern aus Regionen mit eigenständiger Tradition und Identität bestehen.
Nach seiner Abwahl 1990 kümmerte sich Albrecht in Sachsen-Anhalt als Aufsichtsratsvorsitzender um die gefährdeten Eisen- und Hüttenwerke in Thale. Über Tausend Arbeitsplätze konnten zunächst durch ihn erhalten werden. Über 10 Jahre beriet er die frühere Sowjetrepublik Kirgistan beim Aufbau eines demokratischen Rechtsstaates und bei der Überwindung der großen wirtschaftlichen und sozialen Krise. Auch in Deutschland half er vielen Menschen, die seine Hilfe dingend brauchten.