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Zusammenarbeit des Landes Niedersachsen mit der Provinz Ostkap in Südafrika

Die Provinz Eastern Cape (Ostkap) entstand 1994 im Rahmen der Verfassungsgebung und der föderalen Ausgestaltung der Republik Südafrika durch die Vereinigung der „weißen" Städte East London und Port Elizabeth mit den ehemaligen „schwarzen" Homelands Ciskei und Transkei. Westlicher Nachbar ist die Provinz Western Cape mit der Hauptstadt Kapstadt. Die Provinz ist mit fast 170.000 qkm Fläche fast halb so groß wie Deutschland und etwa dreimal so groß wie Niedersachsen (47.613 qkm).

Die Landschaft ist über weite Strecken noch unberührt und außerordentlich vielfältig. Vom Ödland der Great Karoo über Berggebiete von über 2000 Metern Höhe bis zum fruchtbaren Ackerland ist die Vegetation sehr abwechslungsreich: Es gibt sowohl Reste immergrüner au-ßertropischer Wälder als auch Graslandschaften und Dornbusch-Savanne. Rund 1000 Kilo-meter Küste mit unzähligen Traumstränden, Fischerdörfern und Seebädern sowie den Metropolen Port Elizabeth und East London hat die Provinz zu bieten. Im Addo Elephant National Park, Tsitsikamma-Nationalpark und anderen Natur- und Wildreservaten wird die Landschaft bewahrt und es werden dem Besucher exzellente Möglichkeiten geboten, die Natur und afrikanisches Großwild zu erleben.

Die Bevölkerungsdichte ist vergleichsweise gering. Nur rund 6,8 Mio. Einwohnerinnen und Einwohner leben im Eastern Cape - im Vergleich zu Niedersachsen mit 7,9 Mio. Einwohnern auf nur einem Drittel der Fläche. 85 Prozent der Einwohner gehören der Xhosa Bevölke-rungsgruppe an und leben in den einstigen Homelands Transkei und Ciskei.

Das Ostkap ist die Heimat des ANC. Die ehemaligen Präsidenten Nelson Mandela und Thabo Mbeki stammen von dort, ebenso wie viele weitere bekannte Persönlichkeiten der Anti-Apartheidsbewegung, beispielsweise Govan Mbeki, Walter und Albertina Sisulu, ferner Chris Hani und Steve Biko. Das Eastern Cape wird darum auch als „Home of Legends" bezeichnet.

20 Jahre Partnerschaft

Seit 1995 pflegen Niedersachsen und Eastern Cape eine lebendige Partnerschaft, die sich durch vielfältige Projekte und eine aktive Besuchskultur auszeichnet. Während der Reise des stellvertretenden Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stefan Wenzel im Oktober 2015 wurde durch die Unterzeichnung einer neuen Gemeinsamen Erklärung im Jahr des 20jährigen Jubiläums deutlich gemacht, dass beide Regionen die Partnerschaft engagiert weiter führen wollen.

Zu Beginn der Zusammenarbeit war das zentrale Ziel, den Aufbau effizienter und demokratischer Verwaltungsstrukturen auf Provinzebene voranzubringen und eine Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Bildung und Tourismus zu etablieren. Die Partnerschaft wurde kontinuierlich weiter entwickelt und erstreckt sich heute insbesondere auf die wissenschaftliche Zusammenarbeit, Jugendbegegnung, den Sport, die erneuerbaren Energien und die Landwirtschaft.

Die Entwicklungspolitischen Leitlinien des Landes Niedersachsen stellen die Zusammenarbeit mit der Provinz Eastern Cape als zentralen Bestandteil der niedersächsischen Entwicklungszusammenarbeit heraus. Das Land Niedersachsen unterstützt die kommunale Entwicklungszusammenarbeit wie die Zusammenarbeit der Stadt Oldenburg mit der Buffalo City Metropolitan Municipality. Auch entwicklungspolitische Organisationen wie die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie im Eastern Cape ansässige niedersächsische Unternehmen wie Continental und Volkswagen sind beteiligt an Projekten. Im Folgenden werden beispielhaft einige aktuelle Projekte vorgestellt. Bei den beiden ersten Projekten handelt es sich um Pilotprojekte für die Umsetzung der Entwicklungspolitischen Leitlinien.

  • Über zahlreiche Kooperationen zwischen niedersächsischen allgemein bildenden sowie berufsbildenden Schulen mit ihren südafrikanischen Counterparts hinaus hat das Niedersächsische Kultusministerium ein Pilotprojekt mit der GIZ zur „Berufsbildung für ökologisches Wirtschaften in Südafrika" („Skills Development for a green Economy") gestartet. Ziel des Projektes ist es, niedersächsische Bildungsträger, z. B. überbetriebliche Ausbildungsstätten des Handwerks und berufsbildende Schulen, in dieses landesweite Projekt der GIZ einzubeziehen. Damit wird die Einführung des Systems der dualen Berufsausbildung im Eastern Cape unterstützt.
  • Die HS Braunschweig/ Wolfenbüttel und die Nelson Mandela Metropolitan University (NMMU) unterhalten seit mehr als 10 Jahren eine wissenschaftliche Zusammenarbeit im Fachgebiet Fahrzeugtechnik. 2006 wurde mit den Partnern Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD) und VW-Südafrika die Gründung eines Lehrstuhles in Fahrzeugtechnik vereinbart. In den gemeinsamen Forschungsprojekten „Vollvariable Ventilsteuerung" und „Projekt K71" sollen - durch die frühzeitige Einbeziehung von Bachelorstudierenden beider Seiten in die Forschung - junge Studierende für weiterführende Studien bis hin zum Ph.D. motiviert werden. Diese dedizierte Nachwuchsarbeit ist Grundlage eines erfolgreichen Ausbaus des Lehrstuhles für Fahrzeugtechnik an der NMMU. Unterstützend für junge südafrikanische Studierende wird ein vom DAAD und VW SA finanziertes Stipendienprogramm vorbereitet. Hierdurch soll der Austausch von Studierenden zwischen Deutschland und Südafrika in beide Richtungen erleichtert und verbessert werden.
Schwerpunkte der Sportzusammenarbeit, die vom LandesSportBund koordiniert wird, sind Sportmanagement und -entwicklung. Durch Maßnahmen in verschiedenen Sportarten wie z. B. Triathlon, Boxen, Handball und Fußball wird die Sportentwicklung im Eastern Cape aktiv unterstützt. Besonders hervorzuheben ist dabei auch die Arbeit der vielen Freiwilligen im Rahmen des Weltwärts-Programms, die der ASC Göttingen betreut. Die Sport-Freiwilligen arbeiten an Townshipschulen und in Kinderheimen und geben dort Sportunterricht. Daneben können mit Unterstützung der Continental AG auch weitere sportliche Aktivitäten wie Schwimmkurse, Fußballtraining und Sportfeste für die Kinder angeboten werden. Ebenfalls im Rahmen des Weltwärts-Programms sind auch Freiwillige aus dem Eastern Cape in Niedersachsen eingesetzt. (Link weltwärts im Sport: www.weltwaerts-sport.de)

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