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Sieben Stimmen zu 70 Jahren Niedersachsen

Der 1. November 1946 gilt als Geburtstag Niedersachsens. Aktuell hat das Land fast acht Millionen Einwohner. Wir haben sieben prominente Persönlichkeiten herausgesucht und sie zu Niedersachsen befragt. Sie wurden im Laufe ihres Lebens von Niedersachsen geprägt und haben es auch auf ihre Art und Weise geprägt oder prägen es weiterhin.

Wie hat sich Niedersachsen in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt? Wie ist das Land zusammengewachsen? Was ist übrig geblieben von den Rivalitäten und Widerständen, die die Landesgründung politisch begleitet haben? Haben wir ein „Niedersachsen-Gefühl" entwickelt und wodurch zeichnet es sich aus? Welche besonderen Ereignisse werden mit Niedersachsen persönlich verbunden? Und, die letzte Frage, was wünschen sich unsere Gesprächspartner für unser Land in der Zukunft?


Sieben Stimmen - die Einzelinterviews

 
Yared Dibaba, Moderator und Schauspieler ansehen
 
Hanna Legatis, Fernsehreporterin ansehen
 
Ernst Gottfried Mahrenholz, ehem. Bundesverfassungsrichter ansehen
 
Margot Käßmann, ehem. hannoversche Landesbischöfin ansehen
 
Stephan Weil, Niedersächsischer Ministerpräsident ansehen
 
Eske Nannen, Leiterin Kunsthalle Emden ansehen
 
Rolf Zick, Ehrenvorsitzender Landespressekonferenz ansehen

Hanna Legatis, Jahrgang 1953, ist ein Kind der Landeshauptstadt Hannover. Als Teenager gehört sie zu den Gründern des Unabhängigen Jugendzentrums Kornstraße (UJK) in Hannover-Nordstadt. Früh zieht es sie zum Journalismus. Erste Stationen sind die Evangelische Zeitung, der Evangelische Kirchenfunk Niedersachsen, radio ffn und der NDR-Hörfunk. Schließlich wechselt sie das Fach und tritt bei SAT.1 erstmals vor die Kamera. 1992 folgt der Wechsel zurück zum NDR, diesmal zum Fernsehen. Hanna Legatis wird das Gesicht der Landesnachrichten. Unzählige Reportagen aus allen Ecken Niedersachsens machen sie bekannt. Ab 1997 moderiert sie das Flaggschiff des NDR-Fernsehens aus Hannover: „Hallo Niedersachsen". Von 1999 bis 2005 moderiert sie die Talkshow „Tacheles" aus der Marktkirche in Hannover. In dieser Zeit übernimmt sie beim NDR Leitungsfunktionen, zunächst im Studio Göttingen, anschließend im Studio Osnabrück. Als politische Redakteurin kehrt sie 2005 ins Landesfunkhaus nach Hannover zurück und arbeitet dort bis zu ihrem Ausscheiden aus dem NDR im Jahr 2015. Parallel entwickelt Hanna Legatis ihre schauspielerischen Fähigkeiten weiter und tritt auf verschiedenen Bühnen in Niedersachsen auf. Zudem tritt sie regelmäßig als Rezitatorin auf. Aktuell liest sie gemeinsam mit ihrer Tochter Rosa unter dem Titel „Der Reichtum der Fremden" Gedichte und Prosa von Dichterinnen und Schriftstellern, die aus ihrer Heimat geflohen sind.

Prof. Dr. Ernst Gottfried Mahrenholz, Jahrgang 1929, studiert Theologie, Psychologie, Philosophie und Rechtswissenschaften in seiner Heimatstadt Göttingen sowie in Tübingen. Von 1960 bis 1962 arbeitet er in der Niedersächsischen Staatskanzlei als persönlicher Referent des ersten niedersächsischen Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf. 1967 wechselt er auf den Stuhl des Direktors des NDR-Landesfunkhauses Hannover um 1970 als Chef der Staatskanzlei unter Ministerpräsident Alfred Kubel in den Landesdienst zurückzukehren. Von 1974 bis 1981 gehört er dem Niedersächsischen Landtag an. Er vertritt dort den Wahlkreis Hannover-Linden. 1974 beruft ihn Kubel zudem ins Kabinett auf den Posten des Kultusministers, das er bis zum Regierungswechsel 1976 ausübt. 1981 wechselt er an das Bundesverfassungsgericht. 1987 wird er Vorsitzender des Zweiten Senats und damit Vizepräsident des höchsten deutschen Gerichts. 1994 tritt er in den Ruhestand, engagiert sich danach aber weiterhin. So ist er von 1998 bis 2003 Präsident Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft.

Rolf Zick, Jahrgang 1921, stammt aus Dransfeld im Kreis Göttingen. Nach dem Abitur 1939 wird er zur Wehrmacht eingezogen und nimmt als Soldat der Luftwaffe am Zweiten Weltkrieg teil. Bei Kriegsende gerät er in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst 1948 zurückkehrt. Über das Grenzdurchgangslader Friedland erreicht er das neue Bundesland Niedersachsen. Zick wählt den Beruf des Journalisten und ist zunächst im Kreis Göttingen als Lokalreporter tätig, bevor er 1960 als landespolitischer Korrespondent nach Hannover wechselt. 1974 macht er sich mit einem Pressebüro selbstständig und gibt als Chefredakteur den landespolitischen Korrespondenzdienst „Nord-Report" heraus. Von 1971 bis 1990 steht er nur mit einer kurzen Unterbrechung als Vorsitzender der 1947 gegründeten Landespresskonferenz vor. Er ist bis heute ihr Ehrenvorsitzender. Zick belieferte mit seinem Korrespondenz-dienst mehr als 70 niedersächsische Tageszeitungen, Funk und Fernsehen, die Landesregierung u.v.m. Er gehört zu den wenigen Zeitzeugen, die alle Niedersächsischen Ministerpräsidenten aus eigenem Erleben kennen. Rolf Zick ist Gründer und Ehrenvorsitzender des Presse Club Hannover. Ihm werden zahlreiche Ehrungen zuteil. Unter anderem ist er seit 1994 Träger des Großen Verdienstkreuzes des Niedersächsischen Verdienstordens und seit 2011 Träger der Landesmedaille.

Eske Nannen, geborene Nagel, Jahrgang 1942, ist in Emden geboren und aufgewachsen. Nach ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau arbeitet sie im väterlichen Betrieb in der Wirtschafts- und Tourismusbranche. 1982 kehrt sie aus Berlin in ihre Heimatstadt Emden zurück und engagierte sich dort für mehrere Kunstprojekte. 1983 gründet sie als Vorstand des Kunstvereins die Malschule, die sich zur größten Jugendkunstschule Niedersachsens entwickelt. Im selben Jahr gründet sie mit ihrem späteren Mann, dem langjährigen Stern-Chefredakteur und Herausgeber Henri Nannen (Heirat 1990), die Henri Nannen Stiftung, deren Geschäftsführerin sie bis heute ist. Die Stiftung beinhaltet Henri Nannens bedeutende Kunstsammlung, die hauptsächlich aus Gemälden und Skulpturen deutscher Expressionisten besteht. Seit 1986 sind die Werke in der Kunsthalle Emden zu sehen. Die feierliche Eröffnung findet im Beisein von Bundespräsident Richard von Weizsäcker statt. Seit dem Tod Henri Nannens 1996 wird die Stiftung in Eske und Henri Nannen Stiftung umbenannt. Eske Nannen ist ebenfalls Trägerin der Landesmedaille des Landes Niedersachsen (seit 2006) und zudem des Kulturpreises der Ostfriesischen Landschaft (2008). An ihrem 70.Geburtstag im Januar 2012 wird sie wegen ihrer Verdienste für Kunst und Kultur mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Dr. Margot Käßmann, geborene Schulze, Jahrgang 1958, studiert von 1977 bis 1983 Evangelische Theologie in Tübingen, Edinburgh, Göttingen und in ihrer Heimatstadt Marburg. 1981 heiratet sie den Pfarrer Eckhard Käßmann. Nach ihrem Vikariat in Wolfhagen (Kreis Kassel) wird sie 1985 zur Pfarrerin ordiniert und teilt sich bis 1990 eine Pfarrstelle mit ihrem Mann. 1989 promoviert sie an der Ruhr Universität in Bochum. Von 1994 bis 1999 nimmt sie die Aufgabe der Generalsekretärin des deutschen evangelischen Kirchentages wahr und wird 1999 zur Landesbischöfin der Hannoverschen Landeskirche - der größten Kirche innerhalb der EKD - gewählt. Während ihrer elfjährigen Amtszeit setzt sie eine Vielzahl an Themenschwerpunkten, von der Ökumene über Bildung und Erziehung bis hin zu sozialen Themen, zu Krieg und Frieden. 2008 wird sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Von Oktober 2009 bis Februar 2010 ist sie Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und seit Juli 2011 ist sie Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017. Margot Käßmann ist Mitherausgeberin des evangelischen Monatsmagazins chrismon.

Yared Dibaba
, Jahrgang 1969, stammt aus Aira in Äthiopien und kommt erstmals im Alter von vier Jahren 1973 mit seinen Eltern nach Niedersachsen. Sein Vater studiert zu dieser Zeit Erziehungswissenschaften an der Universität Osnabrück. 1976 kehrt die Familie nach Äthiopien zurück, wo Dibaba eine deutsche Schule besucht. 1979 flieht die Familie vor dem Bürgerkrieg und gelangt auf Umwegen nach Falkenburg (Kreis Oldenburg). Er besuchte die Schule im nahen Ganderkesee und lernt auch Plattdeutsch.1990 beendet er seine Schulzeit mit dem Abitur am Max Planck Gymnasium in Delmenhorst. Nach einer kaufmännischen Lehre in Bremen besuchte er von 1993 bis 1996 eine Schauspielschule in Bremen, studiert danach Musik am privaten Hamburger Konservatorium und beginnt dort parallel als Moderator und Schauspieler u.a. am Ohnsorg Theater zu arbeiten. Von 2001 an moderierte er bei diversen Sendern bevor er 2006 zum NDR geht. Für die Anstalt moderiert er bis heute unterschiedliche Formate von „De Welt Op Platt" über Talkshows bis hin zu „Land & Liebe" oder „Mein Nachmittag". Dibaba hat mehrere Bücher und Tonträger auf Plattdeutsch herausgegeben.

Stephan Weil kommt 1958 in Hamburg zur Welt. 1965 siedelt die Familie nach Hannover über, Weils Vater ist Diplom-Ingenieur, seine Mutter Volkswirtin. Beide stammen aus Oberschlesien. 1977 legt Stephan Weil das Abitur am Kaiser-Wilhelm-Gymnasium ab. Nach dem Zivildienst in einer jungendpsychiatrischen Einrichtung nimmt er ein Jurastudium in Göttingen auf, das er 1983 mit dem Ersten Juristischen Staatsexamen abschließt, 1986 legt er nach seinem Referendariat des Zweite Juristische Staatsexamen ab. Nach der Heirat mit Rosemarie Kerkow lässt sich Weil zunächst in Hannover als Anwalt nieder, wechselt dann 1989 in den Landesdienst als Staatsanwalt und Richter. Zeitweise ist er an das Niedersächsische Justizministerium abgeordnet. 1994 ist er als Ministerialrat fest im Justizministerium tätig. 1997 wird er zum Stadtkämmerer der Landeshauptstadt Hannover bestellt. Dieses Amt übt er bis zu seiner Wahl zum Oberbürgermeister im Jahr 2006 aus. Bei den Landtagswahlen im Januar 2013 tritt Weil als Spitzenkandidat der SPD an. Nach dem Wahlerfolg steht er seit Februar 2013 einer Koalitionsregierung von SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN als Ministerpräsident vor. Als Landtagsabgeordneter vertritt er den Wahlkreis Hannover-Buchholz. Von November 2013 bis November 2014 ist Stephan Weil Präsident des Bundesrates.

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