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Carl H. Hahn

Deutscher Industriemanager


geb. 1926 in Chemnitz

Carl Horst Hahn entstammt einer Industriellenfamilie, die bereits mit den Anfängen des Automobilbaus in Deutschland verbunden war. Sein Vater war Mitbegründer der Auto Union aus dem Zusammenschluss von Audi, Wanderer, Horch und DKW. Nach dem Abitur studierte Hahn Wirtschaftswissenschaften in Deutschland, der Schweiz und England sowie Politikwissenschaften in Frankreich. 1952 promovierte er in Bern zum Dr. rer. pol., studierte daraufhin Italienisch und Kunstgeschichte in Perugia, um anschließend bei Fiat in Italien zu volontieren.

Es folgte ein Jahr bei der OECD in Paris, bevor er im Dezember 1954 zu Volkswagen nach Wolfsburg wechselte. Von 1959 bis 1964 leitete er in den USA die "Volkswagen of America". Der damalige ungewöhnliche Exporterfolg war seinen Aktivitäten zu verdanken. 1964 wurde er in den VW-Vorstand berufen, wo er ab 1965 für den Geschäftsbereich Vertrieb verantwortlich war – eine Position, die er bis zu seinem vorläufigen Ausscheiden 1972 bekleidete. Von 1973 bis 1981 sanierte er als Vorstandsvorsitzender mit einer neuen Unternehmensstrategie die in existentielle Schwierigkeiten geratene Reifenfirma Conti AG in Hannover, um schließlich zu VW nach Wolfsburg zurückzukehren, nunmehr als Vorsitzender des Vorstands.

Von 1982 bis 1993 war Hahn Vorsitzender des Vorstands der Volkswagen AG in Wolfsburg. Mit seinem Namen sind die erfolgreichen Nachfolgemodelle des Käfers und der Aufstieg von Audi verbunden. Er gilt als einer der Väter der Generation Golf. Vor allem aber führte er das Unternehmen zum Weltkonzern durch neue Produktionsstätten in China, Spanien, Portugal, Tschechien, der Slowakei, Polen und Ungarn. Ein besonderes Anliegen war ihm der Neuanfang an den alten Produktionsstätten der Automobilindustrie in Zwickau und Chemnitz. VW wurde nach dem Fall der Mauer zum größten Investor in Ostdeutschland. Richtungweisend war seine frühe Entscheidung für ein Engagement des VW-Konzerns in China. Auch wurden unter seinem Vorsitz Kooperationsverträge mit der Ford Motor Co. und der japanischen Toyota Motor Corp. geschlossen.

1985 überschritten die Umsatzerlöse des VW-Konzerns erstmals die 50-Milliarden-DM-Grenze. Der VW-Konzern war darüber hinaus von der Position 5 zum Marktführer in Europa avanciert. Ende 1990 stieg VW bei den tschechischen Škoda-Werken ein, die neben VW, Audi und Seat zur vierten Marke im Konzern wurden. Parallel dazu wurde 1991 eine neue Konzernstruktur verfügt mit einer strikten Trennung von Konzern- und Markenleitung. Ende 1992 übergab Hahn sein Amt als Konzernchef an den bisherigen Audi-Chef Ferdinand Piëch und wechselte in den Aufsichtsrat des Unternehmens, dem er bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden im Juni 1997 angehörte.

Nach seiner Pensionierung war er Aufsichtsratsmitglied in zahlreichen europäischen und amerikanischen Unternehmen. Er nimmt bis heute Mandate in Aufsichtsräten und Beratergremien nationaler und internationaler Unternehmen wahr und ist darüber hinaus Honorarprofessor für "Industrielle Unternehmensstrategien" an der Westsächsischen Hochschule Zwickau (FH). Bis 2005 war er Berater des Präsidenten der Republik Kirgisistan in Wirtschaftsfragen. Er ist außerdem in zahlreichen politischen, kulturellen und sozialen Organisationen tätig.

Hahn wurde von neun Hochschulen des In- und Auslandes mit akademischen Würden ausgezeichnet. Österreich, Belgien, Brasilien, Italien, Spanien, Südafrika, Kirgistan und die Bundesrepublik Deutschland sowie Niedersachsen und Sachsen verliehen ihm hohe Orden. Er ist überdies Ehrenbürger von Wolfsburg, Chemnitz, Zwickau und Changchun in China.

Landesmedaille (Schauseite)

Landesmedaille (Schauseite)

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