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Ostfriesland

Ostfriesland liegt im äußersten Nordwesten Niedersachsens. Die als Meeresbuchten ausgeprägten Mündungen von Ems und Jade, der Dollart und der Jadebusen, ragen tief in das Land hinein, das deshalb auch als ostfriesische Halbinsel bezeichnet wird. Vor allem aus der Notwendigkeit, mit eigener Kraft für den Deichbau und Hochwasserschutz sorgen zu müssen, entwickelte sich hier schon im Frühmittelalter ein starker politischer Selbstbehauptungswille. Diesen konnten die fernen Herrscher des Reiches nicht brechen.

Die Ostfriesen schlossen sich wie in den übrigen friesischen Regionen an der Nordsee seit dem 12. Jahrhundert zu autonomen Landesgemeinden zusammen. Deren Vertreter trafen sich am Upstalsboom bei Aurich, wenn Frieden und Freiheit in Gefahr schienen. Aus dem konkurrierenden Ringen lokaler Häuptlingsfamilien, die sich allmählich zu Führern der Landesgemeinden aufgeschwungen hatten, gelang den Cirksena im 15. Jahrhundert der Aufstieg zur einigenden Territorialmacht. Mit der Erhebung Ulrichs I. Cirksena zum Reichsgrafen durch Kaiser Friedrich III. 1464 wurde ihre Landesherrschaft vom Reich formell anerkannt. Doch den Cirksena gelang es nicht, sich im Inneren eine so starke Stellung aufzubauen, wie sie viele andere Landesherren hatten. In der Reformationszeit scheiterten sie daher auch bei der Durchsetzung einer einheitlichen Konfession in ihrer Grafschaft. So zerfiel das Land in einen evangelisch-reformierten Teil im Westen und einen evangelisch-lutherischen Teil im Osten.

Die ostfriesischen Landstände mit der Stadt Emden an der Spitze, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts durch die Aufnahme zahlreicher calvinistischer Religionsflüchtlinge aus den Niederlanden enorm an Bedeutung gewonnen hatte, waren die einzige Korporation dieser Art, die im Alten Reich ein vom Kaiser verliehenes eigenes Wappen führen durfte. Landesverträge wie der Osterhusische Akkord von 1611 bekräftigten die besondere, die Rechte der Landesherrschaft eng begrenzende Verfassung des Landes.

Nach dem Aussterben der Cirksena im Jahre 1744 wurde Ostfriesland zunächst preußische Provinz, nach 1815 ein Landdrosteibezirk im Königreich Hannover (bzw. nach 1866 der preußischen Provinz Hannover) und 1885 bis 1978 ein Regierungsbezirk. Seitdem ist Ostfriesland, das heute aus den Landkreisen Aurich, Leer und Wittmund sowie der kreisfreien Stadt Emden besteht, Teil des Regierungsbezirks Weser-Ems.

Upstalsboom: Versammlungsort der friesischen Seelande

Upstalsboom: Versammlungsort der friesischen Seelande

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