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Südniedersachsen/Harz

Das südniedersächsische Bergland wird von der Weser begleitet und durch den Leinegraben erschlossen. Der Harz, das nördlichste der deutschen Mittelgebirge, hebt sich mit seinen Steilwänden deutlich vom Leinebergland ab. Das fruchtbare, altbesiedelte Hügelland der "Goldenen Mark" leitet nach Thüringen über. Die mittelalterliche Herrschaftsbildung orientierte sich - wenigstens ungefähr - an diesen Naturgegebenheiten.

Nationale Bedeutung gewann zunächst der Harz. Otto der Große gestaltete den Harzraum im 10. Jahrhundert zum Herzstück seiner Königslandschaft aus. Zu seiner Zeit erfuhr der dort seit der Bronzezeit betriebene Bergbau einen großen Aufschwung. Mit Hilfe des am Harz ausgemünzten Silbers konnten die Kaiser und Könige aus den Häusern der Ottonen und Salier weitgreifende Unternehmungen finanzieren. Im 12. Jahrhundert sicherten sich die Welfen umfassende Herrschaftsrechte im Westharz. Nach 1300 stagnierte allerdings der Bergbau und brach gegen 1360 zunächst ganz ab.

Auch im Bergland stiegen die welfischen Herzöge zu Braunschweig-Lüneburg zu einer beherrschenden Stellung auf. Sie bedrängten die kleineren Dynasten und beerbten sie. 1267 entstanden durch Erbteilung die welfischen Fürstentümer Göttingen und Grubenhagen. Das Fürstentum Göttingen wurde 1495 mit dem Fürstentum Calenberg vereinigt. Zum Fürstentum Grubenhagen, das die Gegenden um Einbeck und Osterode umfasste, gehörte auch die sogenannte "Goldene Mark", die aber 1342/58 zur Begleichung von Schulden teilweise dem Erzstift Mainz eingeräumt werden musste. Die Linie Grubenhagen des Hauses Braunschweig-Lüneburg starb 1596 aus; das Territorium kam 1665 an die Linie Calenberg. Die Fürstentümer Göttingen und Grubenhagen gingen daher im hannoverschen Gesamtstaat auf, dem nachmaligen Kurfürstentum und Königreich.

Seit dem 12. und 13. Jahrhundert reihten sich im Leinetal die Flecken und Städte wie an einer Kette auf. Die Tuchmacherei in Göttingen und die Brauerei in Einbeck entwickelten sich zu bekannten Exportgewerben. Als der Harzbergbau zu Anfang des 16. Jahrhunderts auf neuer Grundlage wieder Gewinne versprach, wurde das Gebirge neu besiedelt; es entstanden zahlreiche Orte, darunter die sieben Bergstädte Wildemann, Zellerfeld, Grund, Lautenthal, Clausthal, St. Andreasberg und Altenau. Von den älteren Städten, früh schon von Göttingen, ging die Kirchenreformation aus; gegen Mitte des 16. Jahrhunderts kann das ganze Gebiet als evangelisch gelten. Im mainzischen Eichsfeld setzte jedoch 1574 die Rekatholisierung ein, die dieser Gegend bis heute eine eigene kulturelle Prägung gibt.

Zu einem geistigen Zentrum, das weit ausstrahlte, wurde mit der Gründung der Universität 1737 die Stadt Göttingen. Die Universität folgte zwei seinerzeit neuen Prinzipien. Erstens büßte die Theologie die Herrschaft über die anderen Wissenschaften ein; zweitens schufen die Gründer eine leistungsfähige Universitätsbibliothek. Göttingen war für mehrere Generationen die führende Hochschule Deutschlands; bis in die Gegenwart gingen von hier wichtige wissenschaftliche Impulse aus.

Der Wiener Kongress fügte 1815 den südniedersächsischen Raum unter hannoverscher Herrschaft zusammen. Zur Landdrostei (später Regierungspräsidium) Hildesheim, die 1823 errichtet wurde, gehörten neben Hildesheim die Fürstentümer Göttingen und Grubenhagen, die Grafschaft Honstein und das Untereichsfeld. Einen eigenen Verwaltungsbezirk bildete dagegen die Berghauptmannschaft Clausthal. Erst nach der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen 1866 wurde dieses Gebiet der Landdrostei Hildesheim zugeschlagen. Mit der Industrialisierung entwickelte sich im Süden Niedersachsens eine vielfältige Gewerbestruktur; eine besondere Bedeutung erlangten z. B. optische und feinmechanische Betriebe.

1978 ging das südliche Niedersachsen im heutigen Regierungsbezirk Braunschweig auf; das Gebiet verteilt sich auf die Landkreise Göttingen, Northeim, Osterode und einen Teil des Landkreises Goslar.

Göttingen: Aula der Universität

Göttingen: Aula der Universität

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