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Langzeit-Folgen bei einer Corona-Infektion


Eine überstandene Covid-19-Infektion bedeutet nicht, dass die Patienten geheilt sind. Ein Teil der Genesenen berichtet über verschiedene Symptome, die sie noch lange der akuten Erkrankung begleiten. Dazu zählen vor allem Müdigkeitserscheinungen, Atembeschwerden, Geschmacksverlust, Konzentrations- oder Wortfindungsstörungen. Forscher nennen das Phänomen „Post- oder Long-Covid“.

Die konkreten Symptome und deren Dauer variieren zum Teil stark. Zudem sind Langzeitfolgen nicht nur bei schweren bis lebensbedrohlichen Corona-Erkrankungen, sondern auch bei leichten Krankheitsverläufen zu beobachten. Auch wer jung, gesund und sportlich ist und einen leichten Verlauf einer Corona-Infektion hatte, kann an den Spätfolgen erkranken.


Beschwerden bei Covid-19 während und nach der akuten Erkrankung

Post-Covid, Langzeitfolgen, Spätfolgen, Corona   Bildrechte: Symptom Duration and Risk Factors for Delayed Return to Usual Health Among Outpatients with COVID-19 in a Multistate Health Care Systems Network — United States, March–June 2020

Welche Symptome können auftreten?

Einer britischen Studie zufolge, berichten rund 40 Prozent der schwer an Covid-19-Erkrankten von langanhaltenden gesundheitlichen Problemen. Selbst bei leichten Verläufen behält jede/r Zehnte eine Beeinträchtigung der Gesundheit zurück.

Eine einheitliche Schablone für die Langzeitfolgen von Covid-19 gibt es nicht. Am häufigsten wurde jedoch in Studien bei der Nachbeobachtung von Menschen mit einem positiven Nachweis auf SARS-CoV2 mit oder ohne Krankenhausaufenthalt eine sogenannte Fatigue berichtet. Damit ist ein lähmender Erschöpfungszustand gemeint. Schon geringe körperliche Aktivitäten sind für Betroffene extrem anstrengend. (Quelle: Persistent Symptoms in Patients After Acute COVID-19)

Prof. Dr. Tobias Welte von der MHH zum Post-Covid-Syndrom


Als weitere Symptome werden Atembeschwerden sowie Gelenk- und Brustschmerzen genannt. Häufiger wurde auch über anhaltende Geruchs- und Geschmacksstörungen, Kopf- und Muskelschmerzen, Konzentrationsstörungen und Schlafstörungen berichtet. Das beeinträchtigt bei einigen die Lebensqualität stark:

Message in a Bottle - Long Covid SOS


Wer ist vor allem von Langzeitfolgen betroffen?

Es gibt zwar keine Statistik, wie viele Menschen in Deutschland und weltweit an Langzeitbeschwerden leiden. Doch die WHO schätzt, dass etwa jeder Zehnte nach einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 auch noch drei Monate später unter Symptomen wie Müdigkeit und Kurzatmigkeit, aber auch unter kardiologischen und neurologischen Problemen leidet. Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer.

Patientinnen und Patienten mit schwerem Verlauf, die auf der Intensivstation im Krankenhaus behandelt wurden, brauchten länger, um fit zu werden. Zum einen haben sie nach der Behandlung auf der Intensivstation noch mit Nachwirkungen der Beatmung, der langen Liegezeit etc. zu kämpfen und zudem besteht die Gefahr, dass der Erreger SARS-CoV-2 Organsysteme im Körper geschädigt hat.

Weniger leicht erklären lassen sich die langen Genesungsphasen bei Menschen mit einer eher milden Covid-19-Infektion. Bei ihnen halten nicht nur die Beschwerden an, die schon zu Beginn der Erkrankung auftraten, sondern es kommen auch neue hinzu - die Symptome kommen und gehen.


Nach zwei Wochen ist eine Corona-Infektion meist vorbei. Doch viele Menschen sind dann weder geheilt noch belastbar. Nicht mehr infektiös heißt nicht automatisch auch gesund. Wenn jemand in Ihrer Umgebung nach einer Covid-Erkarnkung über anhaltende Beschwerden klagt, nehmen Sie diese ernst.

„Es ist eher eine Achterbahn als eine Steigerung. Es geht auf und ab und auf und ab. Wenn ich zu viel tue, fühle ich mich schlechter und wenn ich nicht genug tue, fühle ich mich schlechter. Wenn ich mich besser fühle, muss ich aber die Energie aufsparen.“ Nigel (Quelle: NIHR - Capturing the experience of ‘Long Covid‘)


Tipps, die gegen eine postvirale Erschöpfung helfen

  • Pacing: Das bedeutet in diesem Zusammenhang so viel wie "seine Grenzen kennen und möglichst nicht überschreiten". Also alle Aktivitäten, die auf einmal übermäßig anstrengen und die Beschwerden verschlimmern, so anpassen, dass sie weniger Kraft kosten. Zum Beispiel Aktivitäten in kleine Einheiten unterteilen und zwischendurch ausruhen, öfter sitzen als stehen.
  • Planen: Nicht zu viele Aktivitäten nacheinander machen, nicht alles am selben Tag, sondern pro Tag und Woche planen, verteilen, damit genügend Zeit zum Ausruhen bleibt. So erholt sich der Körper schneller von der Infektion.
  • Prioritäten setzen: Welche Aktivitäten sind am wichtigsten und welche können warten? Wie lassen sich Erledigungen anders angehen? Zum Beispiel Verwandte oder Bekannte bitten, den Einkauf zu erledigen.

Wichtig ist, sich zwar leicht körperlich zu bewegen - aber nur im Rahmen dessen, was möglich ist und ohne sich zu überlasten. Verschlechtert sich der Zustand durch die Aktivität, sollte man diese zurückfahren. Auch die Rückkehr ins Berufsleben muss möglicherweise stufenweise erfolgen. (Quelle: Royal College of Occupational Therapists: How to manage post-viral fatigue after COVID-19)

Hilfe für Patientinnen und Patienten mit Covid-19-Langzeitfolgen

Eine Liste der Ambulanzen und Rehabilitationskliniken in Deutschland ist auf der vom Betroffenen-Netzwerk erstellten Website „Covid-19 Langzeitbeschwerden“ zu finden.

Wie groß ist die Corona-Gefahr für Kinder und Jugendliche wirklich? | ZDF

 
Post-Covid, Langzeitfolgen, Spätfolgen, Corona Bildrechte: WHO

Präsentation der WHO

Corona Schnelltest   Bildrechte: Staatskanzlei Niedersachsen

Besser Vorsicht - statt Nachsicht!

Covid-19 kann jeden treffen. Daher bleibt das beste Mittel dagegen bis auf Weiteres die Einhaltung der Abstands- und Hygienemaßnahmen, um sich gar nicht erst anzustecken!

Artikel-Informationen

erstellt am:
08.07.2021
zuletzt aktualisiert am:
09.07.2021

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